spacer

Tommaso

Ma Ajita - Germany

Liebe Freunde, Ajita (41) aus Köln - viele von uns haben sie beim Frühlingsfest 2005 kennen gelernt. Erst im Oktober vergangenen Jahres war sie in die Manjusha Commune eingezogen. Am 29.12.05 hat sie während des Retreats ihren Körper verlassen, was für viele von uns eine Überraschung war und auch ein Schock. Aber was war es für sie?

Im Nachhinein ist es leichter, die Spuren zu lesen, und tatsächlich gab es viele Hinweise, dass sie den Kontakt zu Mahamudra und zum Manjusha mit einer klaren Hoffnung, einem Wunsch, gesucht hat. Sie wusste, was sie wollte, wohl ahnte sie, wie wenig Zeit ihr blieb. Rasch hat sie ihre Schritte gemacht, immer mit Gelassenheit und herzlichem Humor, ohne dass die meisten von uns so richtig bemerkten, wohin ihre Reise geht.

Ihr Sprung in die Freiheit hat tiefe Spuren in uns hinterlassen. Er hat uns gezeigt, was es bedeuten kann zu sterben - und zu leben. Danke Ajita, danke Mahamudra.

Prem Toshi

Mahamudra am 29.12. 2005 zum Tod vom Ajita

Einige von euch wissen schon, warum wir uns hier heute versammelt haben: heute Nachmittag, ca. halb vier bis um vier hat Ajita ihren Körper verlassen. Es war eines der glücklichen Events, die passieren können. Ich sitze heute Abend hier, um euch das mitzuteilen und einige Dinge mit auf den Weg zu geben. Vor allen Dingen aber, dass es für uns alle und besonders für Ajita ein großes Geschenk ist, was passiert ist.

Im Wesentlichen ist es passiert als Folge des gestrigen Abends und des Themas (Days „Mystic des Lebensalters 110 – 120 Jahre, Der Körper geht, es bleibt das Bewusstsein“). Des Themas und der Hoffnung auf das, was passieren kann. Nicht nur der Hoffnung, auch der Einsicht über das, was Tod bedeutet. Wenn einer bereit ist und leer, dann kann er die letzten Bindungen loslassen und er wird gehen. Das, was zurückbleibt, ist eine große Feier. Dazu werde ich gleich noch mehr sagen.

Zunächst einmal hat Ajita gestern Abend für mich eine Nachricht gegeben. Eine Nachricht, die sagte: „Was du heute Abend gesprochen hast, hat mich sehr berührt. Ich spüre eine Sehnsucht und doch fühle ich mich von dir gesehen und verstanden.“

Es ist ihr Abschied, die Sehnsucht nach dem Tod im Licht und gleichzeitig aber auch und doch die Verbindung zu mir, zu Osho, zu dem, was sie hier gefunden hat. Als sie mir diese Nachricht gegeben hat, habe ich sehr wohl gemerkt, dass da etwas in ihr war, das gekuckt hat, ob ich es verstehe, ob ich s i e verstehe. Es war kein Abschied da und es war auch kein Abschied nötig.

Wie sicher viele von euch wissen, hat jemand, der seinen Körper verlassen hat, noch für zwei Wochen die Möglichkeit, sehr nahe an den Menschen zu sein, mit denen er war und die er geliebt hat. So habe ich heute Nachmittag mit ihr Kontakt aufgenommen, wie schon vorher mit vielen anderen Menschen nahe dem Tod oder im Tod oder danach – sie war eine glückliche Seele tanzend im Licht. Es war auch ein Wunsch da: der Wunsch, noch einmal wiederzukommen, nachdem sie jetzt alle dunklen Erfahrungen hinter sich gelassen hat. Eine große Hoffnung, vielleicht sogar zu diesem Platz zurückzukommen.

Deswegen kann ich auch nicht hier sitzen und trauern. Am liebsten würde ich lauter Witze machen. Nur mit Rücksicht auf euch nehme ich mich jetzt zurück, einige wollen ja vielleicht trauern. Wenn ihr trauern wollt, dann könnt ihr gerne trauern, das gehört auch dazu – aber für mich ist es ein glücklicher Moment.

Ajita ist schon mit vielen Erfahrungen in der Nähe des Todes hierher gekommen. Mit nicht zu großen Erwartungen auf das, was noch sein kann. Es war ihr sehr wichtig, das, was noch sein kann, nicht zu verpassen. Und sie hat es nicht verpasst. Sie hat den Moment gewählt, die große Einladung gestern Abend, die große Einladung in den g r o ß e n Tod. Sie hat den Moment erkannt und gewählt und es war leicht für sie.

Selten hat man die Möglichkeit, solch einen Tod zu begleiten, mit dabei zu sein, das Feiern in der Luft zu spüren. Wer sie im Leben vielleicht nicht richtig wahrgenommen hat, weil noch so viel auf ihren Schultern lastete, der wird jetzt um so klarer fühlen, was ihr Wesen ist und ihr Zustand. Das hat nichts mit dem Körper zu tun. Es ist auch keine Einladung für euch oder für irgendjemanden, in diesen nächsten vierzehn Tagen sich an sie dranzuhängen und zu versuchen, sie festzuhalten. Sie ist frei und kann ihre freien Entscheidungen fällen. Auch wenn sie zurückkommt, ist das ihre freie Entscheidung.

Wer aber möchte, kann heute Abend noch einmal von ihrem Körper Abschied nehmen – dem Körper als Erinnerung. Ansonsten ist es nicht s o wichtig, es ist eine persönliche Sache, die man mit sich selbst ausmachen muss. Das wäre jetzt direkt nach dieser Veranstaltung hier möglich. Aber ihr werdet auch finden, dass sie nicht mehr in diesem Körper ist, dass es nur noch ihre äußere Schale ist. Vielleicht ist es auch einmal wichtig, das zu sehen, ganz klar zu sehen – in einer Situation wie dieser. Eine richtige Abschiedsfeier werden wir noch Silvester machen, als Teil der Silvesterfeier. Wir werden dann in aller Freude sie, ihren Tod und ihre Lebendigkeit feiern können. Dazu werden wir sie auch einladen.

Wir werden heute Nacht eine Totenwache halten. Drei Personen werden in dem Zimmer sitzen und frieren (Mahamudra lacht) – ich kann mir das Lachen halt nicht verkneifen. Das Fenster muss offen bleiben, damit der Körper noch ein bisschen frisch bleibt – das ist ja auch menschlich – also die Totenwache etwas unromantisch in dicken Mänteln. Aber ich finde es schon sehr schön, dass noch einige da sind und diese Nacht begleiten.

Ansonsten gilt für uns, dass das Leben weitergeht, und für euch, die ihr im Retreat seid, ganz besonders auch eure Meditation. Was auch immer es euch gibt, jetzt in dieser besonderen Zeit hier gewesen zu sein – lasst es mit offenen Sinnen da sein. Es wird auch einen Einfluss auf euer Leben haben. Dies ist nicht alltäglich.

Ich kann noch sagen, dass ich persönlich schon eine besondere Beziehung, eine persönliche Beziehung zu Ajita gehabt habe, bei der, obwohl sie ja nicht lange hier war, immer auch ganz klar war, dass Vertrauen und Vertrautheit da war. Eine alte Beziehung, die sie sich wohl zu ihrem Ende auch noch einmal gewünscht hat. "Alt" heißt vielleicht ein paar hundert oder tausend Jahre. So ist das: wenn man dieses Vertrauen hat, dann hat man zusammen Dinge durchlebt. Deshalb bin ich auch besonders glücklich, dass sie es geschafft hat, diesen Sprung zu machen. Denn es ist immer mein Wunsch, dass jemand es schafft, diesen Sprung zu machen, und mit diesem Sprung frei wird. Wirklich frei, nicht nur frei von äußeren Zwängen und Bindungen.

Vielleicht kann ich euch noch erzählen, wie Ajita gestorben ist. Sie hatte ja einen Herzschrittmacher, was ihr wahrscheinlich alle mehr oder weniger wisst. Immer wenn der überbelastet ist, schaltet er herunter, was aber zur Folge hat, dass die Person dann auch erst mal zusammensackt. Die genauen technischen Zusammenhänge kann ich euch jetzt nicht erläutern – aber jedenfalls ist es passiert, dass sie zusammengesackt ist und Amritam gleich da war, weil er sowieso immer da war. Dann wurde noch ein Notarzt gerufen und unsere zwei Ärzte waren auch zur Stelle.

Aber wenn einer sterben möchte, dann kann man ihn nicht daran hindern. So hat auch die engagierte Wiederbelebung nichts genützt. Das ist ja auch klar, trotzdem musste es gemacht werden. Es wurde alles gemacht: der Notarztwagen, die Wiederbelebung, was auch immer man machen kann. Bis sie dann ins Haus gebracht wurde, oder das, was von ihr noch da war. Aber eigentlich weiß ich von denjenigen, die dabei waren, dass sie schon tot war, dass sie ganz klar endgültig ihren Körper verlassen hatte und sehr weit weg war, sehr schnell. Man hätte nichts mehr machen können und es hätte natürlich gar keinen Sinn gehabt. Selbst wenn man sie mit Gewalt zurückgeholt hätte – wofür? Man kann ganz klar sehen, dass es so sein musste.

Eine Entscheidung ist etwas ganz Wichtiges und Tiefes – dagegen kann niemand etwas tun. Wenn man sich wirklich entscheidet, dann kann man noch so lange den Notarzt rufen oder Herzmassage machen oder Mund-zu-Mund-Beatmung oder dieses Elektroding anwenden. Das macht man auch, damit man es gemacht hat und damit man sich keine Vorwürfe machen muss – aber in solchen Fällen gibt es keine Chance. Wenn ich mich entscheiden würde zu sterben, könntet ihr mich auch nicht zurückholen, mit Sicherheit nicht. Deswegen muss ich immer aufpassen, dass ich mich nicht entscheide zu sterben.

Eins kann ich euch vielleicht auch noch mitgeben: Das Thema Tod ist ja schon manchmal hier Thema gewesen. Es ist vielleicht auch an euch, die Realität mehr zuzulassen, dass es passieren kann. Man schiebt den Tod immer so weit weg, aber es kann passieren, und wenn man nicht aufpasst, dann ist der Tod da. Manchmal ist der Tod da, obwohl es nicht nötig ist und man das vielleicht noch etwas anders hätte machen können. Deswegen ist es wichtig, kein Drama zu machen, sondern auch den Tod mit in seine Realität zu lassen. Das ist auch etwas, was zu lernen ist aus diesem Ereignis. Wer hätte daran gedacht, dass es passiert. Immerhin war sie auch Ärztin und sie hatte einen Herzschrittmacher und sie war abgesichert ... Der Wille ist frei. Immer kann es passieren. Jedem von euch.

Ajita, wir senden dir all unsere Liebe, danke!

OSHO Manjusha Meditations Zentrum
Niederpöbel 27, 01762 Schmiedeberg
Tel: 035052 - 224 56
Fax: 035052 - 224 57
Email: info@oshomanjusha.de
Internet: www.oshomanjusha.de

 
       
OshO



Home All Osho quotes - Copyright ©1995 Osho International Foundation